Freitag, 18. Juni 2010

Omar Khayyam "Das hohe Spiel wagen"





















Es ziemt sich nicht an jedes Tor zu schlagen
und Gut und Böse musst du ruhig tragen
Das Schicksal warf am Himmelsbrett die Würfel
Getraust du dich, das hohe Spiel zu Wagen?

Das hohe Spiel wagen
Lieber Khayyam, -
Über Dein Gedicht habe ich immer wieder nachgedacht. Ich denke das Wagen hat etwas mit wägen, abwägen zu tun. Und beim hohen Spiel stehen offenbar zentrale, lebenswichtige und auch schicksalhafte Dinge zur Wahl an. Natürlich habe ich mich selbst gefragt, wie halte ich es damit. Wage ich das Spiel? - Für Momente dachte ich, eigentlich spielt es in mir von selbst. Ich wage dann die Selektion, die Auswahl. Dann habe ich einige Erlebnisse überdacht und kam eher zur Meinung, dass ich mich sehr oft in der Weise in etwas einlasse, indem ich mich forttragen lasse, bis ich stoppe, oder auch nicht. Meine frühen beziehungen waren immer irgendwie grenzenlos und ich brannte dabei aus. Später suchte ich viel bewusster nach mir gemässen Grenzen. Und ich bemerkte, dass, in dem ich mir Grenzen setzte, sich ungeahnte Möglichkeiten des Denkens, Fühlens und Handelns öffneten. - Ich denke, dass ich mit der Heirat mich genau in diesem Rahmen bewegte. Der Rahmen war ziemlich eng und ziemlich überschaubar. Er blieb immer eine gute Grundlage, das materielle Leben stabil zu halten. Er hat die mentalen Seiten des Lebens zwar oft erschwert, aber nicht eigentlich gebunden, oder gar vernichtet. Dies erforderte schon immer wieder auch Verzichtleistungen auf Dinge der Kultur, die zu pflegen, kaum möglich waren. Da liegen Welten zwischen uns und Versuche zum Brückenschlag, sind immer wieder misslungen. So habe ich in mittleren Jahren eine Kultur der fantasierten Reisen, mit fantasierten Partnern, oder eigentlich eher noch, Partnerinnen entwickelt, wobei ich oft die in der Fantasie überhöhten Vorbilder meiner frühen erlebnisse wieder belebte. Richtig befriedigend und auch befreiend erlebte ich diesen Reifungsprozess aber erst, als es mir gelang, die fantasierten Freunden, durch richtige Menschen zu ersetzen. Das waren zwar keine Bettgeschichten, die mir ohnehin nur bei grosser Liebe gefallen. Aber es waren doch immer wieder schöne, gute Exkurse, die dem Gewöhnlichen, Alltäglichen den Glanz der Reife des Herbstes leihen und zum Verweilen einladen.
Lieber Khayyam, ich klopfe gerne an das Tor und hoffe, dass ich für eine kurze Wegstrecke noch, einige kleine Schönheiten schenken kann. Und in diesem Sinn, wage ich das hohe Spiel! 
fks

Freitag, 11. Juni 2010

ENGEL IM IRAN













ENGEL IM IRAN
handelt vom unterwegssein von engeln und menschen, vom menschlichen und bestechlichen,vom kommen und gehen, von jagdgründen und vom leben in gelaskugeln, die in paradies übergehen und von priestern, perlen und propheten, von den heimlichen knoten der weltgeschichte, die im verborgenen geknüpft werden, von würzigem staub und versunkenen betrachtungen, vom beten und basaren, von schimmernden abgründen farah dibas und dem nomadenleben in einsamen berggebieten, von kamelen unter den bergen der gnade, von salzflüssen und vom himmel über salomons tempel, von den liebesgesängen der derwische auf seidenstrassen, von krafthäusern, muskeln und oasen, von jagd, jurte und joghurt, von sand und lerchen, von licht, lehm und trommelfieber, von bündenerjagd und der iranischen nationalbank, handelt von öltürmen und der ewigen flamme unterm damavand zu den türmen des schweigens, denen man die toten zahlreicher generationen überantwortet hat, von schwarzem schnee im Orient, von wehendem sand und
sachzwägen, von tugend und zerstreuung, von wein und wunderlichem, vom sehen und versinken, von schwinderlerregenden mausoleen und den untröstlichkeit der weissen wüstensonne, vom suchen und finden, von nichtigkeiten, sinnfälligkeiten und suchenden auf einer reise in widersprüchen, von geschichtenerzählern, von knoten und krügen, von abwegen und wirrungen und wahrscheinlichkeiten, vom juwelenglobus und wollverkäufern, von pferderennen und palastruinen und von der stadt der städte und der stadt gläubigen, von gastfreundschaft und fäden der verführung, von leidenschaft und zufall, von rosen, nelken und dornen, von “ ehen auf zeit“ und männern und meer, vom neuen testament, meinungen und märtyrern, vom leben und vom leben der frauen, und von musik und musik und musik und musik 
fks

Montag, 7. Juni 2010

ARBEIT, ANFANG, und Sehr Vieles

Die Lektionen - Vorbereitung:
Ich wollte zuerst nach altem bequemen Muster den neuen Stoff "einführen", d.h. selber bringen, aussprechen, in direkter Fragestellung repetieren, "Lernen" lassen. Aber es kamen Zweifel an dieser konventionellen Methode und ich entschied mich, dass sie falsch ist. So begann ich Fragen auszudenken, durch welche die Kinder angeregt werden, durch eigenes Suchen und Nachdenken zu den "Dingen" vorzustossen. Ich sage ihnen nicht wie es ist, sondern ich bitte sie mir zu sagen, wie es sein könnte. Es geht auch nicht statisch um Lernstoff, sondern lebendig ums Erleben und Freisetzen von "lernigen" Dingen. Wie gesagt, ich habe darüber nachgedacht und es schien mir zu glücken. So habe ich auf die linke Seite eines Blattes Fragmente mit den Wesenszügen meines Anliegens in lockerer Form hingeschrieben, mit grossen, offenen Schriftzügen. Ich liess reichlich Platz zwischen den Wörtern, den Zeilen, den Fragen, so dass keine Schwere oder Härte in meiner Forderung nach Lösungen dabei war. Ich war glücklich, meine Fragen schienen zu atmen, sie bewegten sich fast von selbst hin zu Assoziationen und Antworten, machten wohl diese durch die Provokation des freien Raums erst möglich. Dadurch unterblieb auch der Eindruck von Leere, oder "Lücken", oder von isolierten, unverbundenen Stellen. - Das Blatt war überdeckt von den Zeichen, Das Geschriebene war eine lebende Einheit. Komplexes organisch gegliedert und in schlichten, echten Fragen, wie in aufgehenden Samen zum Finden und Erfahren bereit gemacht.
Die Seite link „meine“ Seite der Unterhaltung war locker überdeckt mit diesen Fragen nach dem Wesenszügen unseres Anliegens. Sehr locker und luftig hingesetzt, mit grossen offenen Schriftzügen, reichlich Platz zwischen den Wörtern, den Zeilen, den Fragen, sodass keine Schwere oder Härte dabei war in der Forderung der Lösung. Sondern die Fragen selber schienen zu atmen auf dem weissen Raum des Blattes, sie bewegten sich schon fast selber zu Assoziationen und Antworten, nein, aber machten diese durch den atmenden freien Raum sehr möglich. Es war auch keinesfalls auf dem Blatt der Eindruck von weisser Leere oder von "Lücken", oder dass die Fragen oder Einzelwörter isoliert und unverbunden gewesen wären. Das Blatt war überdeckt von den Zeichen, das Geschriebene war eine lebende Einheit Komplexes organisch gegliedert und in den schlichten und echten Fragen wie in verschlossenen Samen, nein gewissermassen "offenen" Samen zum Finden und Erfahren bereit gemacht.
Die Seite rechts blieb noch leer.
Das was jetzt getan wurde, war mit einem grossen A gekennzeichnet. Es war glaub beim allmählichen Erwachen, dass dieses A kam und vom Traum zum Wachdenken durch die verschiedenen Sinngebungen wanderte:
ARBEIT, ANFANG,